Die neue Welt

15.04.2016

 

Die Welt, wie wir sie kennen, löst sich auf. Dies ist zunächst einmal die erschreckende Nachricht, die wir wohl alle nicht sehen wollen, die wir aber nicht mehr lange ignorieren können. Sie ist deshalb erschreckend, weil es keine Möglichkeit gibt, den bereits begonn- enen Prozess der Auflösung zu stoppen oder gar zurückzudrehen.

 

Es ist nur so: die äußerlichen Probleme und Katastrophen (das rasante Bevölkerungswachstum der Menschen, die Klimaerwärmung, die massive Umweltverschmutz- ung, die Trinkwasserverknappung, die zunehmende Anzahl von Kriegen aller Art oder das Bienen- sterben und, und und) stellen lediglich Symptome der Auflösung dar. Die wirkliche Ursache liegt vielmehr darin, dass unser altes Weltbild ausgedient hat.

 

Dieses allgemein vorherrschende alte Weltbild beruht auf dem Prinzip des Mangels - Mangel an allen Ressourcen, an Geld, an Nahrung, an Liebe, an Respekt, an Macht oder Einfluss, an Lebenszeit, an Ge- sundheit, an allem eben.

 

Nach diesem Prinzip des Mangels denken, fühlen, handeln, leben wir, und so gestalten wir auch die Welt - zumindest die meisten von uns. Die Überzeugung, es sei nicht genug für alle da, erweckt das Bedürfnis, so viel wie möglich der knappen Güter (materiell wie auch immateriell) zu ergattern, wie nur irgend möglich ist. Dies führt unweigerlich zu einem System von Ausbeutern und Ausgebeuteten, von Tätern und Opfern, in dem die einen wirklich Mangel erfahren, während die anderen in ständiger Angst leben, zu einem Opfer zu werden und damit dann auch den gefürchteten Mangel zu erleben. Es ist ein brutales System, bei dem jeder gegen jeden kämpft, weil er nicht anders kann, und bei dem doch alle verlieren müssen, allein schon deswegen, weil dabei die Natur und damit unsere Lebens- grundlage zerstört wird.

 

Kurioserweise ist es eigentlich unerheblich, ob die Welt überhaupt "mangel-haft" ist und die Güter knapp sind, oder ob das gar nicht zutrifft. Allein unsere Vorstellung, es wäre so, genügt, um den Man- gel tatsächlich zu bewirken, wie man anhand der Probleme in der Welt sehen kann, die ausnahmslos durch uns Menschen entstanden sind.

 

Leider wird keine Maßnahme, sei sie auch noch so gut gemeint oder durchdacht, in der Lage sein, aus diesem zerstörerischen System auszusteigen, solange wir in diesem Prinzip des Mangels gefangen sind, weil alle, die an den klassischen Mangelerkrankungen wie Gier, Egoismus und Missgunst leiden, dies verhindern. Einzig und allein ein neues Weltbild wird dies bewirken - eines, das auf einem an- deren Prinzip basiert.

 

Zum Glück, und das ist die gute Nachricht, befinden wir uns gerade in einem Weltbildwechsel, für den es nebenbei auch höchste Zeit ist, da wir mit dem alten Weltbild auf dem besten Weg sind, die Erde für uns Menschen unbewohnbar zu machen.

 

Das neue Weltbild gründet sich auf dem Prinzip der Fülle und auf das Urvertrauen darauf, dass man immer bekommt, was man auf seinem Lebensweg (für seine Lebensaufgabe) benötigt; auf die tiefe Überzeugung, dass alles, was geschieht, einen tiefen Sinn hat.

 

Manche Menschen besitzen dieses Weltbild bereits, und vermutlich wird es auch schon einige wenige von ihnen in vergangenen Zeiten gegeben haben. Es sind jene Menschen, die man heute noch gerne als "Spinner" bezeichnet, weil sie, anstatt sich an der vermeintlichen Realität zu orientieren, ihrem Herzen, ihrer inneren Stimme folgen. Es sind jene Menschen, die das Leben selbst freudig begrüßen und alles, was es ihnen bringt. Und so lassen sie sich auch nicht von dem aktuell noch existierenden System vereinnahmen - das haben sie gar nicht nötig.

 

Wer zu diesem Weltbild der Fülle gelangen will, hat es nicht leicht, da man sich zunächst einmal inner- lich von all den Dingen lösen muss, von dem man glaubt, man würde ohne sie nicht leben können. Doch darum geht es ja gerade bei dem Urvertrauen: zu erkennen, dass das Leben einen trägt. Dieses Urvertrauen wird man allerdings nur schwerlich rein über den Kopf erhalten. Sicher sollte man nach- denken, hinterfragen und beobachten. Auch das Lesen von Büchern zu diesem Thema (viele von ih- nen sind wirklich hervorragend) ist gut. Doch das Urvertrauen wird man dadurch wohl kaum erlan- gen; es muss verinnerlicht werden, aus tiefstem Herzen gelebt werden, anstatt nur verstanden zu werden.

 

Märchen hingegen sind nicht nur in der Lage, diese Verinnerlichung zu ermöglichen, da sie Bilder erzeugen und Botschaften übermitteln, die uns zutiefst im Inneren berühren, es ist sogar ihre Kern- aufgabe. Das gilt für die alten Märchen genauso wie für meine "Märchen der Weisheit", die speziell für den Übergang in die neue Welt geschaffen wurden (und noch werden). Ihr Erfolg hängt allerdings da- von ab, ob der Verstand ihre Bilder und Botschaften auch erfasst und korrekt speichert. Wenn dies jedoch geschieht, wird das Weltbild von der Basis her korrigiert - und das verändert, wie schon oft geschehen, die äußere Welt grundlegend. (Näheres dazu in den folgenden Artikeln)

 

Wie sich die Welt ändern wird, wenn das vorherrschende Weltbild auf dem Prinzip der Fülle basiert, muss sich erst noch zeigen. Aber wenn die Angst vor der Zukunft dem Vertrauen gewichen sein wird, die Wahrheit Einzug erhalten hat, und Transparenz statt Heuchelei herrscht, wird die Veränderung grundlegend sein. Es führt unweigerlich zu einer ethischen Politik, in der das Volk tatsächlich der Sou- verän ist, und die (wie auch immer gewählten) Staatsvertreter ihrer Berufsbezeichnung alle Ehre ma- chen; zu einer Wirtschaft, die im Einklang mit der Natur nach den realen Bedürfnissen und dem Prin- zip der Nachhaltigkeit produziert; zu einer Gesellschaft, die von gegenseitigem Respekt und Eigenver- antwortung geprägt ist.

 

Daher ist die Auflösung der Welt, wie erschreckend sie momentan auch erscheint, in Wahrheit nicht nur ein nötiger, sondern sogar ein sehr guter, ja wunderbarer Vorgang, der die Menschheit höchst- wahrscheinlich vor dem Untergang bewahren wird - ein Vorgang, der uns lehren wird, dass alles, wirklich alles einen tieferen Sinn hat.

 

© Diana Weisheit

 

Zum nächsten Artikel - Die Bedeutung von Märchen

 

Es gibt auch einen weiteren Artikel, der dieses Thema beschreibt und vertieft:

 

Das Weltende