Die Märchen und ich

 

Es gibt einige Besonderheiten bezüglich meiner Märchen, die man zum besseren Verständnis wissen sollte, denn die Märchen sind alles andere als ausgedachte Geschichten.

 

Zunächst einmal lauten meine Märchen nur deshalb die „Märchen der Weisheit“, weil ich der Tradition gefolgt bin und sie nach mir benannt habe, denn ja, ich heiße wirklich Diana Weisheit - diesen Namen habe ich mir schon vor meiner schriftstellerischen Tätigkeit durch Heirat erworben. Dennoch ist der Titel absolut berechtigt, da die Märchen tatsächlich voller Weisheit sind, auch wenn diese Weisheit nicht von mir stammt, wie ich später noch ausführen werde. Ob dieses merkwürdige Zusammentref- fen von Namen und Inhalt nun ein Zufall ist oder nicht, nun, wer weiß das schon?

 

Die Märchen entstanden auch nicht, wie man meinen könnte, aus Lust am Schreiben, einer übermäßigen Phantasie oder aus einem Sendungsbewusstsein heraus, sondern weil ich davon über- zeugt bin, im Jahr 1998 einen Ruf zum Schreiben erhalten zu haben. Einzelheiten darüber erspare ich mir, da ich nichts von dem, was dazu zu sagen wäre, überprüfbar ist. Und natürlich kann es durchaus sein, dass ich mich irre. Mir selbst kam es auch in höchstem Maße suspekt vor, dass ich, als Wirt- schaftwissenschaftlerin ohne jegliche religiöse oder spirituelle Ausrichtung, entgegen jeder Vernunft diese Aufforderung erhielt. Dennoch habe ich nach einiger Zeit und heftigem Sträuben angefangen, mich zunächst einmal mit allen Themen eingehend zu beschäftigen, die durch das Leben so an mich herangetragen wurden, während ich gleichzeitig meine ersten Schreibversuche gestartet habe. So ging es sieben Jahre lang, bis sich mein bis dahin wohl geordnetes Leben Stück für Stück auflöste, und ich eine massive Leidensphase erlebte. Ich erwähne dies deshalb, weil in dieser Leidphase die Mär- chen begannen, zu mir zu kommen, was, wie ich heute weiß, nicht erstaunlich ist, da Märchen aus Leid geboren werden. Das erste erreichte mich Mitte 2008, dann einige Monate später das zweite, dann das dritte, und plötzlich prasselten die Märchen auf mich ein wie ein Hagelschauer.

 

Man darf sich das nicht so vorstellen, als hätte ich plötzlich einen fertigen Text im Kopf, den ich nur noch zu Papier bringen müsste. Vielmehr handelt es sich um Bilder, kurze Textsequenzen, um Aussagen oder grobe Handlungsstränge, die sich in meinem Kopf einschleichen und sich dort hartnäckig festsetzen, sodass alles andere in den Hintergrund tritt. Meistens finde ich sie nach dem Aufwachen vor, manchmal jedoch erscheinen sie, wenn ich jemandem in die Augen blicke, oder sie tauchen ganz unvermittelt auf, während ich mich mit irgendetwas beschäftige, etwas lese, sehe oder erlebe. Bis heute sind dies über 200 Märchen, also mehr, als die Gebrüder Grimm im Laufe ihres gesamten Lebens gesammelt haben, und es wären sogar noch sehr viel mehr, wenn ich es zulassen würde.

 

Die Sache ist nur, ich komme mit dem Schreiben beim besten Willen nicht nach, da ein Märchen Wochen oder gar Monate bis zur Fertigstellung benötigt. Das liegt daran, dass die Märchen, ich kann es nicht anders ausdrücken, ein Eigenleben besitzen. Wenn ich der Handlung eine Richtung gebe, von der ich aufgrund meines Weltbildes überzeugt bin, komme ich an einen Punkt, an dem es einfach nicht weitergeht, bis irgendwelche merkwürdigen Dinge geschehen, durch die ich eine andere Sichtweise auf dies oder jenes erhalte - und plötzlich kann ich das Märchen nicht nur fertigstellen, ich spüre auch, dass dies jetzt „richtig“ ist. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, dass es sich dabei um die übliche Inspiration handelt, die jeder Schriftsteller, jeder Künstler benötigt, aber ich bin mir sicher, es geht weit darüber hinaus, denn es scheint, als ob sich mein ganzes Leben mit den Märchen und ihren Aussagen verbinden würde. Ja, ich weiß, dies hört sich recht abgehoben und spirituell an, und nichts liegt mir ferner, als die Märchen als „göttliche Eingebung“, als „gechannelt“ darzustellen. Doch auch wenn diese Märchen aus meiner Feder stammen, so muss ich zugeben, dass sie eine Wahrheit und Weisheit besitzen, die ich niemals hätte schreiben können - ob Sie es glauben oder nicht. Möglicherweise ist dies auch der Grund, warum sich diejenigen Märchen, die nichts mit mir oder meinem Leben zu tun haben, wie „Die Amsel“ oder „Der Schleier“, „Das Wiedersehen“ oder „Der Hahn“ im Großen und Ganzen recht leicht und schnell schreiben lassen.

 

Die Anmerkungen hingegen sind eine ganz andere Angelegenheit. Diese sind vollständig mein Werk und unterliegen meinem Willen. Ursprünglich hatte ich sie dazu gedacht, um die Entstehung des jeweiligen Märchens ein wenig zu beleuchten, z.B. wo ich dieses Märchen gefunden habe oder was sich hinter dem Namen des Helden verbirgt. Mit der Zeit jedoch, auch durch Rückmeldungen von Lesern, fiel mir auf, dass die Märchen so weit von dem aktuellen Weltbild entfernt sind, dass es weiterer Informationen zum Verständnis bedurfte. Und so begann ich ab dem dritten Band, in ihnen markante Punkte des Märchens näher zu beleuchten und auch Hintergrundwissen einzubinden (aus diesem Grund habe ich anschließend die bereits veröffentlichten Bände 1 und 2, später auch Band 3, noch einmal überarbeitet). Trotzdem, und das ist ganz wichtig, stellen sie keine Interpretationen dar, und das sollen sie auch nicht sein. Denn selbst, wenn ich sicherlich mehr über diese Märchen weiß als jeder andere, so spielt meine eigene Meinung oder Deutung hier überhaupt keine Rolle. Das Ziel der Märchen ist es, ein neues Weltbild beim Leser zu errichten - nicht meins und auch nicht das eines anderen, sonders das eigene, von äußeren Einflüssen unabhängige Weltbild, das auf Wissen, Wahr- heit und Vertrauen aufbaut. Floskeln wie „Die Aussage dieses Märchens lautet…“ werden Sie daher in den Anmerkungen niemals finden. Gewiss, hin und wieder sage ich meine Meinung, aber das mache ich immer kenntlich und weise daraufhin, dass meine Meinung nur eine von vielen ist. Und davon ab- gesehen: eine klare moralische Aussage werden Sie in diesen Märchen sowieso nicht finden.

 

Viele empfinden meine Anmerkungen als verstörend, weil sie anders als üblich die Punkte nur anreißen und Fragen aufwerfen, anstatt sie auch "ordnungsgemäß" zu beantworten. Das kann ich durchaus verstehen, und oft genug würde ich auch wirklich gerne Antworten anbieten. Aber das verkneife ich mir, weil ich weiß, dass dies nur meine Antworten wären, und jeder seine eigenen finden muss. Denn wenn eines bei den Märchen deutlich und unmissverständlich ist, dann dass die Zeit der Fremdbestimmung vorbei ist - und zwar unwiderruflich.

 

 Worum es nun bei den Märchen geht, davon berichte ich im nächsten Artikel.