Die Märchen

 

Um es einmal ganz klar zu sagen: Die Märchen der Weisheit stam- men zwar aus meiner Feder, und sowohl die Titel als auch die Na- men der Helden sind von mir; aber weder auf die Themen noch auf die enthaltenen Wahrheiten oder die Handlungen habe ich ei- nen nennenswerten Einfluss.

 

 Und es ist mir selbst ein Rätsel, wie in diese so einfach erscheinen- den Handlungen am Ende eine solche Vielzahl von Deutungseben- en sowie Tiefe und Weisheit hineingewoben werden konnte - denn all dies, das kann ich Ihnen versichern, stammt nicht von mir.

 

Nun werde ich aber auch nicht von einer höheren Macht gewissermaßen zum Diktat gerufen. Viel- mehr ist es eine Art Kooperation, bei der ich zunächst einmal eine Aufforderung erhalte und dann während des Schreibens vom Leben dazu gebracht werde, das dahinter stehende Thema zu verste- hen. Es handelt sich dabei um einen recht komplizierten und auch schmerzhaften Vorgang, weil dazu nötig ist, dass ich mein Weltbild korrigiere oder erweitere, und das tue ich (wie wohl die meisten Menschen) nicht gerne. Inwiefern und inwieweit die Märchen dann letztlich „von mir“ sind oder nicht, ist schwer zu sagen. Ich selber würde meinen Anteil eher gering einschätzen.

 

Wie auch immer, so besitze ich einen Überblick über diese Sammlung von mittlerweile über 200 Mär- chen (mehr als die Gebrüder Grimm in ihrem Leben gesammelt haben), über die Themen, die hinter den Handlungen stehen, wie auch über das eigentliche Anliegen der Märchen. Dieses Anliegen ist, wie ich es verstehe, uns zu einer völlig neuen Sichtweise auf die Welt und ihre Gesetze anzuregen - eine Sichtweise, die es uns ermöglicht, die aktuell noch unlösbaren Probleme zu überwinden und ein völlig neues Zeitalter der Fülle und des Friedens zu errichten.

 

Das Kernthema der Märchen ist Vertrauen, das es zu entwickeln gilt. Ob man es als Vertrauen in Gott, das Schicksal, in uns, in das Leben bezeichnen will, bleibt jedem selbst überlassen. Das findet sich bei den klassischen Märchen zwar auch schon, aber jetzt geht es nicht mehr darum, dass alles am Ende „gut wird“, sondern dass alles, was geschieht, „gut ist“, weil es einen tieferen Sinn besitzt. So gibt es auch keine Prüfungen mehr, die bestanden werden müssen, vielmehr wird das Leben als ein Weg be- schrieben, der „gegangen“ werden will. Auf diesem Weg gibt es kein „richtig oder falsch“. Der Weg, den man geht, ist einfach derjenige, den man zu seiner Entwicklung benötigt, und letztlich kommt man immer genau dort an, wo man ankommen soll (oder will).

 

Da es keine Unterscheidung in „Gut und Böse“ mehr gibt, entfällt auch das „Streben nach dem Guten“, was heutzutage noch als wichtigstes Ziel gilt. Stattdessen geht es um die Wahrheit, die es zu erkennen gilt, und vor der wir uns nicht fürchten sollten.

 

All dies erreichen die Märchen damit, dass sie anregen, die Vorstellung über die Funktion der Welt, unser Weltbild, zu hinterfragen, zu überdenken oder zu erweitern - jedes Märchen ein Stück, in einem Teilbereich. (Die Themen der bereits veröffentlichten Märchen finden Sie hier). Dabei sagen sie nie- mals, die Dinge seien so oder so. Das können und wollen sie auch gar nicht, denn täten sie es, würden sie ja doch wieder in „richtig und falsch“ unterscheiden - aber diese Zeit, in der uns unser Weltbild vor- gegeben wird, ist nun vorbei.

 

Die Handlungen der Märchen kann man meines Erachtens nicht in irgendeiner Weise zusammenfas- sen. Dazu sind sie einfach zu unterschiedlich. Gewiss gibt es Liebesmärchen und Tiermärchen, und manche von ihnen ähneln auch den klassischen Vertretern, aber daneben existieren auch solche, die noch nicht einmal eine Handlung im üblichen Sinn aufweisen, sondern eher erklärende Struktur be- sitzen. Zu erwähnen wäre jedoch, dass sie für Menschen jeden Alters gedacht und in einem zeitlosen Sprachstil ohne Fremdwörter verfasst sind. Gewalt, Grausamkeit oder Brutalität, wie man sie aus den klassischen Märchen kennt, kommen in ihnen nicht vor. Und zusätzlich gibt es für jedes Märchen eine spezielle Anmerkung, die von mir stammt. Die Anmerkungen, das möchte ich betonen, sind keine In- terpretationen, wie man sie für die klassischen Märchen immer wieder findet. Es geht bei ihnen eben nicht um irgendwelche Auslegungen meinerseits, sondern um Hintergründe oder eine Sichtbarma- chung des Kernthemas, manchmal auch meine eigenen Erfahrungen mit den Märchen. Nur in Einzel- fällen gebe ich meine persönliche Meinung wieder, die ich aber dann deutlich kennzeichne.

 

Dennoch sind die Märchen alles andere als „leichte Kost“. Hier wird alles, was man üblicherweise als „sicher“ oder „gegeben“ sieht, infrage gestellt. Und zusätzlich werden viele Themen angesprochen, die man für gewöhnlich tabuisiert. Daher möchte ich jeden vorwarnen, der die Märchen lesen möchte: man sollte sich im Klaren sein, dass diese Märchen die grundsätzliche Einstellung zur Welt, zum Le- ben, zum Sein verändern. Wer dazu nicht bereit ist, wird durch die Märchen in seinen Grundfesten erschüttert werden und schockiert sein. Doch wer den Mut hat, sich auf sie einzulassen und dadurch lernt, sich seine eigenen Gedanken zu machen, anstatt die Gedanken anderer anzunehmen, wird erkennen, dass die Welt nicht das ist, was wir sehen. Vielmehr sind wir es selbst, die die Welt durch unsere Gedanken formen.

 

Und diese Erkenntnis ist die Grundlage für ein neues Zeitalter - für eine grundlegend andere Welt.  

 

© 2016 Diana Weisheit